geschrieben von: Matthias Marx | 23.05.2018, 09:00

Mit Crowdfunding in 12 Wochen über 3.000 Euro an Spenden sammeln

Projektinitiatorin Devah Babory, stellvertretende Vorsitzende des Wolfsburger Vereins „Bildung für Kinder in Afghanistan“, berichtet über die Schlüsselfaktoren ihres Crowdfunding-Erfolgs.

EZ: Liebe Frau Babory, noch einmal herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss Ihres Crowdfunding-Projekts. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Faktoren, die zum Erfolg des Projekts beigetragen haben?


DB: Wenn man ein Crowdfunding-Projekt startet, muss man sich darüber im Klaren sein, dass dahinter viel Arbeit steckt. Wenn man den Gedanken hat, einfach nur ein Projekt online zu stellen und sich dann zurücklehnen zu können, liegt man falsch. Man muss fortlaufend in den sozialen Medien, wie Facebook und Instagram, „Werbung machen“, ohne dabei die Leser zu überfordern und zu nerven. Bestenfalls sucht man noch den Kontakt zur lokalen Presse, um auch ältere Generationen zu erreichen. Vereinsmitglieder, Freunde und Bekannte sollte herangezogen werden, um diese nicht nur für das Projekt zu gewinnen, sondern auch zu überzeugen, selbst aktiv zu werden und die Werbetrommel zu rühren. Die Widgets, die man ganz einfach über die Crowdfunding-Plattform generieren kann, lassen sich ganz einfach auf die Website des Vereins einbauen.


EZ: Was sicherlich auch geholfen hat, Unterstützerinnen und Unterstützer für Ihr Projekt zu finden, war, dass Sie ein eindeutiges, klar definiertes Projekt hatten, nämlich 60 Schultische für eine Schule in Afghanistan zu finanzieren… Und die die Höhe der Projektsumme leicht nachvollzogen werden konnte…


DB: Richtig, denn es ist wichtig, dass die Spender wissen, wofür ihre Gelder eingesetzt werden - das schafft Vertrauen. Je transparenter das Ziel beschrieben wird, desto besser.


EZ: Wozu wir ja auch immer wieder Projektinitiatoren raten, ist „Gesicht zu zeigen“ – ein Profilbild schafft eben, anders als ein Logo, eher Vertrauen – und auf der Projektseite zu signalisieren, dass man für Fragen zum Projekt zur Verfügung steht. Haben Sie das Gefühl, dass sich dadurch mehr an Ihrem Projekt und/oder Verein interessierte Personen getraut haben, auf Sie bzw. den Verein zuzugehen und auch das Projekt zu unterstützen?


DB: Ja, ich denke schon, dass Menschen eher Vertrauen fassen, wenn Sie ein Gesicht und einen konkreten Namen mit dem Projekt verbinden können. Ebenfalls als wichtig erachte ich, dass Kontaktdaten angegeben werden und der Spender direkt angesprochen wird. Gerade, wenn Spender kein Vereinsmitglied sind oder noch nie etwas von dem Verein gehört haben, sorgt dieser Umstand eine vertrauenswürdige Basis. Das hebt noch einmal die Transparenz des Projektes hervor.


EZ: Auf vielen Crowdfunding-Plattformen findet sich der Hinweis, dass Projektinitiatoren, um bei potenziellen Spendern Emotionen zu wecken, auf jeden Fall ein sog. Pitch-Video drehen sollten, in dem das Projekt beschrieben wird. Sie hatten darauf verzichtet und neben ein paar Bildern, die die Schule und die Kinder zeigen, ein allgemeines Video auf der Projektseite eingesetzt, das keinen direkten Bezug zum Crowdfunding-Projekt hatte. Aus welchen Gründen hatten Sie sich gegen ein solches „Pitch-Video“ entschieden und würden Sie es bei einem neuen Projekt wieder genauso machen?


DB: Da wir in einem Krisengebiet in Afghanistan gemeinnützig agieren, war es sehr schwierig für uns, kurzfristig ein Pitch-Video zu erstellen. Da das Video kein Muss-Kriterium für die Erstellung eines Crowdfunding-Projektes ist, haben wir an dieser Stelle ein allgemeines Video unserer Schule eingestellt, dass aber auch den Umstand der Klassenräume wiedergegeben hat. Ich empfehle jedem, der die Möglichkeit dazu hat, ein Pitch-Video zu drehen, denn bewegte Bilder „bewegen“ die Menschen mehr.


EZ: Inzwischen hat Ihr Verein ja die Spendensumme erhalten. Was sind nun die nächsten Schritte und wie informieren Sie die Spender über den weiteren Verlauf des Projekts?


DB: Richtig, die Gelder haben wir erhalten und auch bereits für das Projekt eingesetzt. Mittlerweile ist das Mobiliar erstellt und muss nur noch den letzten Feinschliff bekommen. Die Klassenräume werden also zeitnah mit den Möbeln ausgestattet. Unsere Spender informieren wir fortlaufend und immer kurzfristig über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram. Die Arbeiten an unserer Schule sind aber noch längst nicht abgeschlossen. Einige Bereiche müssen noch saniert, das Außengelände muss gestaltet werden. Zudem möchten wir das Gebäude gerne noch erweitern.


EZ: Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel… Könnten Sie sich vorstellen noch einmal ein Crowdfunding-Projekt, vielleicht ja auch wieder über unsere „Gemeinsam für Gemeinwohl“-Plattform durchzuführen?


DB: Absolut! Für uns war das Projekt in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Die Planung und Durchführung mit dem Engagement Zentrum war sehr professionell und hat viel Spaß gemacht. Wir haben schnell gemerkt, dass wirklich Interesse an unserem Projekt und dessen Erfolg besteht. Wir wurden in unserer Vereinsarbeit stetig unterstützt und konnten auf diese Weise viel lernen! So wurden wir z.B. auch hinsichtlich weiterer Finanzierungsmöglichkeiten, wie der Stiftungsanfrage, unterstützt. Die Zusammenarbeit hat unserer Erwartungen übertroffen und wir bedanken uns recht herzlich dafür! Ich kann nur jedem Verein raten, die Chance zu nutzen, ein Crowdfunding-Projekt über die Plattform „Gemeinsam für Gemeinwohl“ zu erstellen.


EZ: Liebe Frau Babory, vielen Dank für dieses sehr interessante und lehrreiche Interview und weiterhin viel Erfolg!


Das Interview führte Matthias Marx, Mitarbeiter des EngagementZentrums, im Mai 2018.


In unserer Rubrik „10 Tipps für ein erfolgreiches Crowdfunding-Projekt“ haben wir die wichtigsten Hinweise und Regeln für ein Projekt kurz und übersichtlich für Sie zusammengestellt.


Informationen zum Verein "Bildung für Kinder in Afghanistan" und wie Sie ihn weiterhin mit Spenden unterstützen können, finden Sie auf der Internetseite des Vereins: http://www.bfkia.de/


Die Projektseite des Crowdfunding-Projekts "Tische und Bänke für Schulkinder in Afghanistan" des Vereins finden Sie hier: https://www.gemeinsam-fuer-gemeinwohl.de/bfkia 

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